Rauchstopp Magazin

Einfach mit dem Rauchen aufhören

jasmin und patrick

Menschen lieben Gewohnheiten – Interview mit Healthy Habits

| Keine Kommentare

Morgens gleich einen Kaffee mit Zigarette, abends gemütlich mit Schoki auf’s Sofa, sonntags den halben Tag verschlafen. Jeder pflegt seine Rituale. Der Mensch ist halt ein “Gewohnheitstier”! Doch Achtung: Unsere Gewohnheiten wirken sich im Guten wie im Schlechten auf unser Befinden und unsere Gesundheit aus. Stellt sich die Frage: Wie kommst du zu Gewohnheiten, die dir gut tun?

[Bildquelle: Healthy Habits]

Interview mit Jasmin und Patrick von Healthy Habits

Vor kurzem habe ich darüber geschrieben, in welche Richtung sich das Rauchstopp Magazin dieses Jahr entwickeln soll. Eine meiner Ideen war es, hier auch andere Leute zu Wort kommen zu lassen. Et voilá: Hier ist das erste Interview! – Vielen Dank an die „Gewohnheitsexperten“, Jasmin und Patrick, von Healthy Habits für ihre spannenden Antworten.

 

Hallo, Ihr beiden – Ihr betreibt seit letztem Jahr einen Blog für gesunde Gewohnheiten. Welche Rolle spielen Gewohnheiten denn für die körperliche, seelische und geistige Gesundheit eines Menschen?

Eine große! Nahezu alles, was wir tagtäglich tun, ist eine Frage der Gewohnheit. Ob es das Aufstehen, Duschen, Frühstücken, Fernsehen, ins Auto steigen etc. ist. Gewohnheiten haben sich im Laufe der Evolution bewährt, da sie dem Gehirn ständige Entscheidungen abnehmen. Wir können nicht permanent über all die kleinen und großen Fragen des Lebens nachdenken (Soll ich das Fahrrad nehmen oder mit dem Auto fahren? Soll ich noch ein Stück Kuchen nehmen? Soll ich den Fernseher anschalten?). Wir tun einfach, was wir meistens tun, d.h. wir folgen den geistigen Trampelpfaden im Kopf. Das ist prinzipiell nützlich, aber fatal, wenn es um schlechte Gewohnheiten geht. Wer raucht, viel Alkohol trinkt, nascht und jeden Abend auf der Couch verbringt, kommt schwer aus diesem Trott heraus. Wenn wir es jedoch schaffen, uns positive Gewohnheiten anzutrainieren, können Gewohnheiten einen großen Beitrag dazu leisten, dass wir uns gut fühlen. Aus Gewohnheit viel zu Fuß zu gehen wirkt sich positiv auf unseren Körper aus. Gleichzeitig profitiert unsere Seele, da wir ausgeglichener und zufriedener durch körperliche Anstrengung sind. Bewegung, Hobbys und der Kontakt mit Menschen, die uns gut tun, sind gut für die Seele. Wer sich diese Dinge zur Gewohnheit macht, lebt gesünder.

Warum fällt es Menschen so schwer, schlechte Gewohnheiten abzulegen bzw. gute Gewohnheiten (neu) zu etablieren?

Die liegt an den Trampelpfaden in unserem Gehirn. Es ist sehr bequem, alles so zu belassen, wie es seit Jahrzehnten gut funktioniert hat. Jede Veränderung verunsichert und stellt uns vor neue Entscheidungen. Wenn wir beispielsweise weniger fernsehen wollen, müssen wir über eine Reihe von Dingen nachdenken: Warum wollen wir das überhaupt? Wann schalten wir für gewöhnlich den Fernseher an? Was könnten wir stattdessen tun? Wie können wir uns dafür belohnen?

Das wirkt ganz schön anstrengend. Außerdem nehmen sich die meisten Menschen zu viel vor. Statt mit Mini-Schritten anzufangen, fassen sie zu Silvester den Vorsatz etwas “nie wieder” zu tun. Oder “ab jetzt gesünder zu essen”. Diese Ziele sind unkonkret, nicht messbar und zu hoch gegriffen. Wer seine Gewohnheiten wirklich verändern will, muss erkennen, dass dies ein größeres Projekt ist und mindestens zwei Wochen bis mehrere Monate dauert. Wir müssen unser Gehirn quasi umprogrammieren. Dazu hatten wir mal einen interessanten Gastbeitrag.

Wer „gesünder“ leben will, denkt oft zuerst an eine ausgewogenere Ernährung oder an mehr Bewegung. Warum tun wir uns so schwer damit, uns auch um unser seelisches und geistiges Wohlergehen zu kümmern?

Einem depressiven Menschen sieht man seine Krankheit nicht an. Das ist immer noch das Problem unserer Gesellschaft, dass wir etwas sehen müssen, um es zu glauben. Selbst als ich aus psychischen Gründen lange krankgeschrieben war, zweifelte ich immer wieder, ob ich wirklich krank sei oder nur simuliere. Wenn sich die Person selbst kaum glaubt, ist es für Außenstehende natürlich auch nicht leichter.

 Der zweite Grund ist, dass immer etwas Anderes wichtiger ist als uns um uns zu kümmern. Diese Deadline noch, nur noch das Projekt – so vergehen die Monate und wir kriechen auf dem Zahnfleisch. Niemand erinnert uns daran, dass auch das Streicheln der Seele eine unserer Aufgaben ist. An gesunde Ernährung und Sport erinnert uns die Werbung jeden Tag.

Gesund = zufrieden?! Ächzend im Fitnessstudio, zähneknirschend über dem Morgen-Müsli, Rauchstopp, weil der Arzt es anordnet… Warum verursacht ein gesunder Lebenswandel nicht unbedingt Glücksgefühle?

Unser Gehirn erfindet allerlei Gründe, weshalb die alten Gewohnheiten besser sind und wir doch bei ihnen bleiben sollten. Schließlich wäre das viel bequemer. Außerdem sorgen die schlechten Gewohnheiten dafür, dass es uns auch physisch schwerer fällt, wieder in die Gänge zu kommen. Wir haben uns über die Jahre an industrielles Fertigessen gewöhnt, das zu süß, zu fettig und zu salzig ist. Der Geschmack muss sich nach einer Ernährungsumstellung erst wieder an eine normale Süß-Schwelle gewöhnen. Genauso fehlen uns Muskeln, Ausdauer und Beweglichkeit, wenn wir uns fast nie bewegen. Dann fällt der Anfang schwer. Doch wer durchhält und die positiven Auswirkungen spürt, wird merken, dass sich die anfängliche Quälerei lohnt.

Übrigens suchen wir uns generell Gewohnheiten, die uns nicht zuwider sind. Wenn uns das Fitnessstudio langweilt, suchen wir eine andere Sportart. Wenn das Müsli partout nicht schmeckt, gibt es auch dort Alternativen.

 Wie kann  ein Mensch seinen „inneren Schweinehund“ überwinden und seine Ziele erreichen?

In Sachen Bewegung empfehlen wir, dass wir ein positives Gefühl mit der Aktivität verbinden. Das ist unsere Belohnung und sorgt dafür, dass wir uns von UNS aus bewegen wollen. Nicht, weil der Arzt es rät. Vieles ist auch eine Organisationsfrage, d.h. wir müssen die Auslöser erkennen, die unsere schlechten Gewohnheiten hervorrufen. An diesen Stellen brauchen wir Ersatzgewohnheiten, für die wir uns vorbereiten müssen. Raucher brauchen evtl. etwas, was sie mit den Händen stattdessen tun können. Naschkatzen brauchen gesunde Snacks wie Obst und Gemüse. Statt der Fernbedienung sollte ein gutes Buch bereitliegen.

Ein weiterer großer Hebel, der für alle Gewohnheiten hilfreich ist, sind die engsten Menschen um uns herum. Wenn sie mitmachen oder wenigstens ein Auge auf unsere neue Gewohnheit haben, hilft uns dieser soziale Druck durchzuhalten. 

 

Vielen Dank nochmal – ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg!

 

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


sechs × = 12